DGE entwickelt neues grafisches Modell zur Umsetzung von Ernährungsrichtlinien
(dge) Grafische Modelle sind für eine erfolgreiche, praxisnahe Vermittlung wissenschaftlich fundierter Ernährungsregeln unverzichtbar. Ausgelöst durch neue Pyramiden- bzw. Dreiecksmodelle aus den USA ist eine intensive Diskussion über Inhalte und optimale Ausgestaltung von grafischen Darstellungen angeregt worden. Die Veröffentlichung immer neuer Modelle mit unterschiedlichen Aussagen führen statt zur Aufklärung zur Verunsicherung des Verbrauchers.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) hat sich dieser Herausforderung aktuell gestellt und in einer Reihe von Workshops und Expertengesprächen eine dreidimensionale Lebensmittelpyramide als neues innovatives Modell etabliert. Dieses Modell basiert auf fundierten wissenschaftlichen Erkenntnissen unter Berücksichtigung der aktuellen D-A-CH-Referenzwerte für die Nährstoffzufuhr und der 10 Regeln der DGE. Weiterhin wurden aktuelle Ernährungsprobleme wie die Adipositasepidemie und veränderte Lebensstile berücksichtigt.
Zweidimensionale Pyramiden haben den Nachteil, dass sie vorrangig mit Schlüsselbotschaften arbeiten, dadurch aber nicht alle wichtigen Ernährungsempfehlungen ohne zusätzliche Erklärungen vermitteln können. Ein wesentlicher Vorteil der dreidimensionalen Lebensmittelpyramide ist, dass sie sowohl quantitative (Lebensmittelmengen) als auch qualitative (ernährungsphysiologischer Wert) Empfehlungen verbrauchernah darstellt, wodurch eine individuelle Lebensmittelauswahl ermöglicht wird.
Das Modell wurde in enger Zusammenarbeit mit Vertretern des aid infodienst, dem Bundesverbraucherministerium sowie Wissenschaftlern und Experten entwickelt und umgesetzt. Hintergrundinformation: Die Lebensmittelpyramide liefert Verhaltensrichtlinien für eine optimierte Lebensmittelauswahl. Basis dieser Umsetzung bildet der Ernährungskreis unter Berücksichtigung der D-A-CH-Referenzwerte. Die Segmentgrößen des Kreises stellen das prozentuale Mengenverhältnis der einzelnen Lebensmittelgruppen zueinander dar. Erweiterte Informationen über die ernährungsphysiologische Qualität der Lebensmittel werden in den vier Pyramidenseiten (Dreiecke) veranschaulicht. Die Lebensmittel sind darin nach objektiven Kriterien, vorrangig nach Energiedichte und Nährstoffgehalt, in die jeweiligen Gruppen eingeteilt. Innerhalb dieser Dreiecke werden die Lebensmittel anhand ihrer ernährungsphysiologischen Qualität hierarchisiert. Empfehlenswerte Produkte, z. B. Obst, Gemüse, Fisch, fettarme Milchprodukte, mageres Fleisch, Rapsöl, Trink- und Mineralwasser, stehen unten und dürfen häufiger verzehrt werden. Ernährungsphysiologisch weniger wertvolle Produkte wie Fleischwaren, Eier, Butter, Schmalz, Süßigkeiten, Limonaden oder Energydrinks stehen an der Spitze und sollten sparsam verwendet werden. Zur Einordnung der Lebensmittel in die vier Pyramidenseiten wurden folgende Kriterien zugrunde gelegt:
Lebensmittel vorwiegend pflanzlichen Ursprungs Kriterien: Energiedichte; Nährstoffdichte (Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Ballaststoffe); präventive Aspekte (Krebs, Herz-Kreislauferkrankungen)
Lebensmittel vorwiegend tierischen Ursprungs Kriterien: Energiedichte; Nährstoffdichte (z. B. Calcium, Eisen, Zink, Selen, B-Vitamine, Vitamin D); Fettqualität (gesättigte Fettsäuren, n-3 Fettsäuren)
Speisefette und Öle Kriterien für Fette: Fettsäurenzusammensetzung (n-3, n-6, n-9 Fettsäuren, gesättigte Fettsäuren, Verhältnis von n-6 zu n-3 Fettsäuren); Vitamin E; Cholesterol/unerwünschte Begleitstoffe; trans-Fettsäuren; küchentechnische Nutzung Kriterien für Öle: Verhältnis von n-6 zu n-3 Fettsäuren; Vitamin E-Gehalt
Getränke Kriterien: Energiegehalt (mäßig: < 7 % Kohlenhydrate, hoch: > 7 % Kohlenhydrate); essenzielle Nährstoffe; sekundäre Pflanzenstoffe; anregende Substanzen; Süßungsmittel
Werden die 4 Pyramidenseiten aufgeklappt, ist das Modell auch zweidimensional nutzbar.
Die dreidimensionale Lebensmittelpyramide bezieht nicht nur wünschenswerte Lebensmittel, sondern insbesondere auch Produkte des täglichen Verzehrs ein. Ziel ist es, eine ausreichende Zufuhr der lebensnotwendigen Nährstoffe in einem ausgewogenen Verhältnis zu erreichen. Die von DGE, aid infodienst und Bundesverbraucherministerium gewählte dreidimensionale Darstellung soll es ermöglichen, komplexe Informationen sinnvoll und effektiv zu vermitteln. So können sich Kinder, Jugendliche, Erwachsene unter Anleitung geschulter Pädagogen spielerisch am Bildschirm mit ausgewogener Ernährung befassen. Auch 3-D-Modelle zum “Anfassen” sind für den praktischen Einsatz vorgesehen.
Drehbares Modell der Pyramide
